Samstag, 14. November 2015

Der Träumer II Pam Muñoz Ryan [Rezension]

"Seht euch ruhig um - es gibt nurr eine Sache hier, die euch gefährlich werden könnte: die Poesie." (S. 357)

Titel: Der Träumer
Autor: Pam Muñoz Ryan
Format: Gebunden
Preis: 16,90 Euro
Verlag: Aladin Verlag
Genre: Kinderbuch

Zusammenfassung:

Neftalí ist 8 und lebt mit seiner Familie in Temuco, einer kleinen Stadt im Süden Chiles. Sein Vater ist streng und wünscht sich, dass er etwas "Vernünftiges" lernt. Aber Neftalís Leidenschaft ist das Lesen und das Sammeln - Blätter, Steine, Vogelnester, Tannenzapfen, Muscheln. Endlich kommt der Sommer, an dem sie ans Meer fahren, an den Pazifik, der rauh und kalt, aber so unendlich weit und wunderschön. Und all sein Hoffen ist, das der Vater vielleicht am Meer nicht so streng ist wie sonst. Am Ende dieses einfühlsamen und wahrmherzigen Romans ist Neftalí inzwischen 15. Jeder muss seinen Weg gehen, so schwer er auch ist und so schmerzlich Abschiede sind. Neftalí geht zum Studium nach Santiago, und aus dem Jungen aus dem Süden wird der berühmte Schriftsteller Pablo Neruda.

Meinung:

Neftalís Geschichte gefällt mir sehr. All die Dinge, die er gesagt oder nur gedacht hat, regten mich jedes Mal zum Denken an. Warum er dies und jenes macht, kann sein Vater nicht verstehen. Denn er will, dass sein Junge etwas vernünftiges im Leben lernt.
Neftalí hat große Angst vor seinem Vater. Er ist nicht nur sehr autoritär, sondern auch sehr temperamentvoll. Und jedes Mal, wenn Neftalí zu reden beginnt, stottert er. Er verschluckt seine Worte. Doch eigentlich sind es seine Ängste, die nach seinen Worten greifen und so das Stottern verursachen. Nicht mal sein älterer Bruder Rodolfo traut sich gegen seinen Vater eine Ansprache zu halten. Obwohl Rodolfo das Singen liebt, kann er seinen Mund in der Nähe seines Vaters nicht öffnen.

Neftalí ist ein guter Junge und sehr begabt für sein Alter. Er schafft sich eine eigene Welt, indem er einfach träumt. Er träumt von Vögeln in Wälder und hält alles, was er träumt geheim, denn niemand möchte hören, was er zu sagen hat, da die meisten ihn für verrückt halten. Neftalí ist nicht nur ein Träumer, sondern auch ein Sammler. Er ist wissberierig und denkt, dass alle Gegenstände, die er findet eine Geschichte erzählen. Und diese Geschichte möchte Neftalí besitzen; ein Stoffschaf, ein Stein, einen Tannenzapfen und vieles mehr verbirgt er auf seinem Regal.

Es scheint so, als hätte Neftalí und auch der Rest der Familie Reyes noch nie Mutterliebe empfunden, da immer eine negative Grundstimmung daheim herrscht.
Ob der Vater deshalb so ist, wie er ist? Weil seine Frau nicht mehr da ist? Es gibt zwar eine Art Ersatzmutter, die von Laurita und Neftalí "Mamadre" genannt wird, jedoch weiß jeder, dass keine Frau den Platz seiner Mutter ersetzen kann, egal wie gut und sorgsam diese Person ist.
Neftalís Vater ist streng und das kann keiner ändern. Neftalí aber hofft immer mal wieder, dass sich sein Vater ändert. Er glaubt daran, dass sich tief im Inneren seines Vaters Gefühle verbergen, die immer noch nicht entdeckt wurden. Leider wird Neftalí jedes Mal aufs neue enttäuscht.

Neftalí will kein Arzt oder Anwalt werden. Er möchte schreiben; Geschichten über die Welt, Ungerechtigkeit, Liebe und Leidenschaft. Er möchte für die Zeitung arbeiten sowie Onkel Orlando. Er ist ein großes Vorbild für Neftalí und der verständnisvolle Vater, den er nie hatte.

"Der Träumer" soll in erster Linie, das Leben von Pablo Neruda darstellen, einen berühmten chilenischen Dichter, der im Jahr 1971 sogar mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Der Kinderroman handelt sich um eine fiktive Biografie dieses Autors. Die Autorin Pam Muñoz Ryan hat sich dabei von ihm und seiner Literatur inspirieren lassen. Neftalí ändert gegen Ende des Buches sein Name und somit auch ein Teil seiner Identität, da sein richtiger Name in der Zeitung bei seinem Vater nur auf Aufruhr stößt. Durch diese Änderung will er endlich frei und losgelöst von seinem Vater sein. Damit dieser sich in Zukunft nicht mehr für ihn schämen muss. So heißt er nicht mehr "Neftalí Reyes", sondern "Pablo Neruda".

Die Illustrationen von Peter Sís in dem Kinderbuch sind sehr tiefgründig und verbergen zusätzliche kurze Geschichten, die meiner Meinung nach für Kinder schwer verständlich sind.
Generell denke ich, dass das Kinderbuch teilweise mit Wörtern bestückt ist, dessen Bedeutung für Kinder auf den ersten Blick nicht ganz deutlich werden. Es kommen Fremdwörter wie "Percheron-Pferde" (S. 65), "Schotter" und "Tröge" (S. 93) vor und bilden den Kindern eine Barriere beim Lesen. Auch die spanischen Wörter wie zum Beispiel "La Traviata" (S. 57) und "Arrayán" (S. 70) sind schwer auszusprechen.

Dennoch ist das Kinderbuch sehr schön geschrieben und hinterlässt viele Interpretationsmöglichkeiten beim Leser. Es regt zum Nachdenken an und liefert eine schöne Botschaft. "Der Träumer" ist kein herkömmliches Kinderbuch und wird bereits ab zehn Jahren empfohlen. Ich denke aber, dass Erwachsene, die Interesse an diesem kleinen Meisterwerk haben auch ein Teil der Geschichte werden können. Denn Erwachsene und Kinder legen unterschiedliche Schwerpunkte und nehmen die Details anders auf.

Meine Bewertung


Kommentare:

  1. Von dem Buch habe ich noch nichts gehört -klingt interessant!

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    1. Es ist zwar ein Kinderbuch, aber man sollte es trotzdem gelesen haben! Die Illustrationen und die gesamte Geschichte ist sehr schön!!!

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